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Infotext zum Thema Indianer
und

Indianische Weisheiten

Die Ureinwohner Nordamerikas

Als die ersten europäischen Siedler nach Nordamerika kamen, gab es dort mehr als 500 indianische Nationen.
Ihre Kulturen unterscheiden sich weit mehr, als die der europäischen Welt heute.

Jede dieser Nationen besaß ihre eigene Sprache, auch wenn mehrere Völker einer Sprachfamilie angehörten, waren die sprachlichen Unterschiede oftmals so groß, dass eine Verständigung nur bedingt möglich war.

In den Waldlandgebieten im Osten Nordamerikas lebten die Menschen in Dorfkulturen und vom Ackerbau, wobei Jagd und Fischfang eine ausgewogene Ergänzung des Speiseplans darstellte.

Im Süden existierten Stadtkulturen (Pueblos), deren Lebensgrundlagen durch die Landwirtschaft und den Handel gesichert wurden.

Jäger und Sammler durchstreiften Teile der Rocky Mountains , des Great Plateaus und Teile der Subarktischen Gebiete im heutigen Kanada.

An der Westküste lebten in Dorfgemeinschaften Fischerkulturen, die mit bis zu 30 m langen Booten den Fischfang betrieben.

Die Plains, die auf Grund der Hollywoodklischees unser Bild vom Indianer prägen, galten den damaligen Ureinwohnern als lebensfeindliches Gebiet. Das Pferd kannte man zu dieser Zeit noch nicht, dies kam erst durch verwilderte spanische Pferde im 17. Jahrhundert nach Nordamerika.

Den riesigen Büffelherden zu Fuß zu folgen, war über längere Zeit ein aussichtsloses Unterfangen. Deshalb lebten nur kleinere Gruppen indianischer Völker hauptsächlich in Randzonen der Plains.

Dies änderte sich als das Pferd bekannt wurde. Ganze Stämme verließen ihre Dörfer und Felder und zogen zukünftig als Jägernomaden durch die Plains.

So faszinierend diese Unterschiede der indianischen Völker waren, so faszinierend waren auch die Unterschiede bei den Pfeilen und Bogen.

Die von uns in dieser Website präsentierten Bogen, sind nur ein sehr kleiner Ausschnitt der faszinierenden Vielfalt nordamerikanischer Bogen. Die Mannigfaltigkeit in der Bauart, Dekoration und Materialien sind für uns als traditionelle Bogenbauer Herausforderung, Faszination und Freude in einem.

Wir hoffen Ihnen mit unseren Indianerbogen einen interessanten Einblick geben zu können und würden uns freuen, wenn Sie mit uns in diese Welt eintauchen und sich mitreisen lassen.

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Der Osten Nordamerikas


Auf Grund der dichten Urwälder im Osten Nordamerikas, wurde diese Region als Waldlandgebiete bezeichnet. Das Waldland erstreckt sich östlich des Mississippi bis zur Ostküste am Atlantik und vom Golf von Mexiko bis zur James Bay im Norden. Dieses Gebiet wird in einen südöstlichen, einen nordöstlichen und einen östlichen subarktischen Bereich in Kanada untergliedert.

Die indianischen Völker der Waldlandgebiete und der Ostküste, waren die ersten die Kontakt zu europäischen Trappern, Händlern und Siedlern hatten. Sie waren die ersten, die vernichtet, vertrieben und in Reservaten unter Kontrolle gehalten wurden. Sie waren jedoch auch die ersten indianischen Nationen, die nach heftigen Kriegen versucht haben, sich in die amerikanische Kultur zu assimilieren und gehören heute zu den Indianern, die am stärksten in die amerikanische Kultur integriert sind.

Einige dieser Nationen existierten heute noch, einige zählen mehrere tausend Stammesmitglieder, andere nur noch ca. 50-500 Stammesmitglieder. Sehr viele sind vollständig ausgerottet worden, dies gilt für den gesamten nordamerikanischen Bereich.



Der Bogen der Waldlandgebiete

Diese Bogen weichen von unserer Vorstellung indianischer Bogen, welche wie schon erwähnt, von Hollywoodklischees geprägt wird, vollständig ab.

Die Mehrheit der hier eingesetzten Bogen waren Langbogen oder lange Flachbogen mit oftmals mehr als 170 cm langen Bogenschäften. einige Stämme jedoch verwendeten auch kurze Bogen von 130 cm bis 150 cm Bogenschaftlänge ohne Sehnenbacking (Bogenrückenbelag aus Tiersehnen). Die kürzesten dieser Bogen waren in etwa so lang wie zu späteren Zeiten die längsten Plainsindianerbogen, die wir in unserer Vorstellung als Bild vor Augen haben.

Der Bogentyp, der sich in einer Region entwickelt, hängt immer von den Anforderungen die an den Bogen gestellt werden ab. Durch die hohe Luftfeuchtigkeit in Waldgebieten, ist es sinnvoll lange Bogen zu bauen. Diese neigen bei Wasseraufnahme weniger zu einem Set bzw. Stringfellow (plastische Deformation der Wurfarme in Auszugrichtung) und behalten somit ihre Leistungseffizients bei.

Ein weiterer Faktor ist jedoch auch der kulturelle und militärische Hintergrund. Die Völker des Waldlandes lebten in Dorfgemeinschaften, diese wiederum waren verteidigungstechnisch, durch Palisaden gut befestigt. Der Bogen als wichtigste Waffe, musste entsprechend eine hohe Durchschlagskraft besitzen.

Im Vergleich zu kurzen Reiterbogen, lässt sich ein Langbogen auch mit sehr hohen Ausziehgewichten von 80, 100 und mehr Pfund leichter herstellen. Ohne zusätzliche Techniken und Materialien einzusetzen, besitzt ein solcher Bogen eine hohe Bruchfestigkeit und ist hocheffizient.

Nicht unbegründet drängen sich hier auch Vergleiche zur europäischen Entwicklung des Bogens auf.

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Nordöstliches Waldlandgebiet (Ostküste der USA)

Der Wampanoag Bogen - historisches Original

Informationen zum historischen Original (Vorbild für den Nachbau)
Fundort

Stamm

Fundjahr

Bogentyp

Material

Länge

USA, Sudbury im Bundesstaat Massachussetts

Wampanoag

1660

Propellerbogen

Hickory

165,1 cm (ca. 65 Inch)

sonst. Daten und Besonderheiten
Die Besonderheiten des Bogens sind vergleichbar mit dem Bodmanbogen (europäische Jungsteinzeit)

Geschichtliches
Der Bogen wurde von einem William Goodnough im Jahre 1660 in Sudburry erbeutet, von einem Indianer den er erschossen hat, als dieser versuchte sein Haus zu plündern.

Die Wampanoag
Der Name Wampanoag bedeutet wörtlich „die Kinder/Leute des ersten Lichts“ was sich auf den rituell erlebten Sonnenaufgang an der Ostküste bezieht.

Der Stamm gehört zur Algonkin Sprachfamilie. Ihr Siedlungsgebiet lag in den heutigen Bundesstaaten Rhode Island und Massachussetts sowie auf den Inseln Marthas Vineyard, Nantucket und Elisabeth Islands.

Am 11.11.1620 erreichten englische Kolonisten mit der Mayflower die Küste des Wampanoaggebietes. Es handelte sich um Pilgerväter und Puritaner, die mit zu den ersten englischen Siedlerwellen gezählt werden können (die ersten englischen Siedler trafen 1607 an der Küste der Powhatankonföderation ein).

Schon im ersten Winter starben ca. 50% der Siedler an Hunger und Krankheiten. Massasoit der Sachem (Häuptling) der Wampanoag bzw. der Wampanoagkonföderation, der mehrere Stämme angehörten, entschloss sich, die Siedler zu unterstützen. Die Indianer versorgten die Pilgerväter und Puritaner mit Nahrungsmitteln und zeigten ihnen, wie Mais, Kürbis und andere nordamerikanische Feldfrüchte angebaut werden. Es entstand eine freundschaftliche Beziehung, die jedoch in den folgenden Jahrzehnten mit dem Eintreffen neuer Kolonisten, hauptsächlich Puritaner, von Seiten der Europäer immer mehr in Vergessenheit geriet. Für die Puritaner waren die Indianer „Wilde“, gleichgestellt mit Tieren. Sie nahmen sich Land ohne zu fragen ohne etwas hierfür zu geben, überfielen ihre Wampanoagdörfer und töteten auch Frauen und Kinder um ihre Gier nach Land und Reichtum des Landes zu stillen.

Durch kluge Politik erreichte Massasoit, bis zu seinem Tod 1661, dass trotz dieser Taten ein weitgehender, wenn auch spannungsgeladener Frieden erhalten werden konnte.

Doch die Übergriffe der Puritaner nahmen zu. In der Zwischenzeit lebten schon mehr als 30.000 englische Siedler auf dem Gebiet der Wampanoagkonföderation, mehr als doppelt so viele wie Indianer.

Nach dem Tod Massasoits übernahm sein ältester Sohn das Amt des Sachems (das Amt konnte nicht vererbt werden, die Stämme bzw. das Volk musste seine Zustimmung geben). Dieser wurde bei einem Besuch der Puritaner in Plymouth vermutlich vergiftet. Sein Bruder Metacomet, von den weißen „King Phillip“ genannt, übernahm das Amt des Sachems. Obwohl er als gemässigter Stammesführer bekannt war, blieb ihm auf Grund der überhandnehmenden Übergriffe der Kolonisten als auch ihrer Arroganz, keine Wahl. 1675 zog er bzw. die Wampanoagkonföderation in den Krieg, der als „King Phillip War“ bekannt wurde. Der Krieg war für die Indianer zunächst erfolgreich: von 90 englischen Siedlungen wurden 52 überfallen und teilweise niedergebrannt. Doch nach einem Winter voller Hunger wendete sich das Blatt für die Indianer. Die Wampanoag und viele Stämme der Konföderation wie z.B. die Narraganset und Nipmuck wurden fast ausgerottet und viele kleine Stämme waren praktisch ausgelöscht. Indianer wurden als Sklaven verkauft, darunter auch King Phillips Frau und sein neunjähriger Sohn. King Phillips Kopf wurde 20 Jahre lang auf einen Pfahl gesteckt in Plymouth zur Schau gestellt. Die Indianer mussten sich vollständig unterwerfen.

Diese Geschichte wiederholt sich vergleichbar bei allen Stämmen der nordamerikanischen Indianer bis 1890 dem Massaker von Wounded Knee, die Amerikaner nannten es die letzte Indianerschlacht. In Wahrheit war es ein Abschlachten entwaffneter Krieger, Frauen, Kinder und der Alten.


Wampanoag Bogen - Nachbau, s. Abbildung
Material

Länge

Ausziehgewicht

sonst. Daten und Besonderheiten

Hickory Kernholz

172 cm (67 4/5 Inch)

30,8 kg (ca. 68 Ibs) bei 71 cm (28 Inch) Auszug

An dem abgebildeten Exponat ist der Vorteil diese Bogentyps deutlich ersichtlich: Auf Grund der propellerförmigen breiten Wurfarme und auch der grossen Bogenlänge, zeigt dieser Bogen kaum Set (plastische Deformation der Wurfarme in Ausziehrichtung). Der Set beträgt bei diesem Bogen ca. 5 mm. Die Kanten als auch der Griffbereich sind etwas stärker abgerundet als beim historischen Original. Ansonsten ist der Bogen stark identisch zum Original.

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Nordöstliches Waldlandgebiet (Ostküste der USA)

Der Delawarebogen - historisches Original

Informationen zum historischen Original (Vorbild für den Nachbau)
Fundort

Stamm

Fundjahr

Bogentyp

Material

Länge

unbekannt

vermutlich Leni Lenape, Lenape, Delaware

17. Jahrhundert

Langbogen

Hickory

172,7 cm

sonst. Daten und Besonderheiten
Es handelt sich bei diesem Bogen um einen typischen Langbogen mit leicht abgerundetem Bogenbauch. Die Ähnlichkeit zu europäischen Langbogen ist deutlich vorhanden. Der Bogen besitzt leichte Recurves (nach vorne gebogene Wurfarmenden). Da die Sehnenkerben ca. in der Mitte der Recurves liegen, besitzen diese Recurves kaum eine technische oder physikalische Bedeutung (kaum eine Verbesserung der Leistungseffizienz).

Vermutlich wurden die Wurfarmenden eher aus ästhetischen Gründen nach vorne gebogen.

Außerhalb der Sehnenkerbe sind Köpfe aus dem Holz modelliert, hierbei handelt es sich vermutlich um „Wächter des Wildes“, ein Geist der eine gute Jagd sichert. Bei den im Bogenschaft eingravierten Figuren handelt es sich vermutlich um Clansymbole.

In vielen Stämmen des Waldlandes war es üblich einen Kriegsbogen mit hohen Ausziehgewichten und einen Jagdbogen zu führen.

Bei dem historischen Original handelt es sich um einen Jagdbogen mit einem Ausziehgewicht von ca. 45-55 Ibs.

Die Leni Lenape
Von den Weißen wurden sie Delaware (nach dem Delaware River benannt) genannt. Ihr Eigenname war Lenape, was soviel wie  „Wirklicher Mensch“ oder „Wahrer Mensch“ bedeutet oder Leni Lenape. Leni Lenape wurde jedoch erst Ende des 18. Jahrhunderts gebräuchlich, was soviel wie „Wahres Volk“ heißen könnte.

Der Stamm zählt zur Algonkin Sprachfamilie. Sie sprachen Dialekte von drei eng verwandten östlichen Algonkinsprachen (Muusee, Unalachtigo, Unami).

Für viele Stämme die zur Algonkin-Sprachfamilie gehörten, sind die Lenape „die Großväter“, eine Bezeichnung voller Respekt, die vom Glauben ausgeht, die Lenape seien der Ursprung aller algonkinsprechenden Völker. Dies gab den Lenape die Autorität zwischen rivalisierenden Stämmen zu vermitteln.

Das Siedlungsgebiet lag am Delaware und am unteren Hudson River. Sie bewohnten somit den gesamten heutigen US-Bundesstaat New Jersey, das westliche Ende von Long Island und die Inseln Staten Island und Manhatten, dazu kamen noch das östliche Pensylvania und nördliche Delaware.

Der gesamte Stamm bestand aus ca. 27 Unterstämmen mit den unterschiedlichsten Sprachdialekten.

Die Lenape mussten insgesamt 20 mal ihr Stammesgebiet verlegen, was nachvollziehen lässt, dass dies nicht freiwillig geschah, jedoch auch, dass es sich um einen kriegerischen Stamm handelte.


Delawarebogen - Nachbau, s. Abbildung
Material

Länge

Ausziehgewicht

sonst. Daten und Besonderheiten

Hickory Kernholz

172 cm (67,7 Inch)

23 kg (ca. 51 Ibs) bei 68,6 cm (27 Inch) Auszug

Der abgebildete Bogen/Nachbau ist von seinen Abmessungen Länge, Breite, Dicke sehr identisch mit dem Original.

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Nordöstliches Waldlandgebiet (Ostküste der USA)

Der Seneca Recurvebogen - historisches Original

Informationen zum historischen Original (Vorbild für den Nachbau)

Fundort

Stamm

Fundjahr

Bogentyp

Material

Länge

unbekannt

Seneca (Mitglied der Irokesenkonföderation), indianischer Eigenname „Onodowohgah“

unbekannt (vermutlich 17. Jahrhundert)

Recurvebogen

Hickory

130,2 cm (51,25 Inch)

sonst. Daten und Besonderheiten
Ein für das Waldlandgebiet sehr kurzer Bogen mit einem außergewöhnlichem Design. Bogen mit seitlich wellenförmigen Zacken wurden nur von wenigen Stämmen gebaut, dies sind z.B. die Seneca, Potowatomi, Fox und Chippewa, wobei die Wellenzacken im Aussehen von Stamm zu Stamm leichte Unterschiede aufzeigten, was u.U. den Schluss zulässt, dass es sich bei diesem Design um eine Art Stammessymbol handelte. Plausibler ist jedoch eine weitere Theorie: Alle diese Stämme hatten ihr Siedlungsgebiet an den „Großen Seen“ (Lake Ontario, Lake Erie, Lake Huron, Lake Michigan und Lake Superior) im Nordosten der USA oder in Kanada. Vermutlich hat die Wellenform tatsächlich etwas mit dem Wasser zu tun und symbolisiert evtl. Geister der Seen bzw. Schutzgeister, wie schon erwähnt, ist dies eine reine Vermutung. Die Sehnennocke am oberen Wurfarm zeigt stilisiert einen Kopf der mit Skalphaaren geschmückt war und auf diesem an vielen Bogen auch ein Gesicht aufgemalt wurde. Diese Art ist auch von anderen Stämmen bekannt und symboliserte den Wald oder Jadggeist (s. auch Delawarebogen), der eine erfolgreiche Jagd sichern sollte. Vermutlich hat die Wellenform vergleichbare Bedeutung. Der Nagel im Griffbereich hat mit hoher Wahrscheinlichkeit den Zweck, eine immer gleiche Handposition sicherzustellen. Die eingravierten Rillen auf der Seite des Wellendesigns haben evtl. einen ästhetischen Hintergrund. Der Bogen zeigt einen sehr starken Set (Stringfellow, plastische Deformation der Wurfarme in Ausziehrichtung), was bei solchen kurzen Bogen unvermeidlich ist. Der Nachteil (Leistungsminderung) wird durch die Recurves (nach vorne gebogenen Wurfarmenden) ausgeglichen, aus diesem Grund sind diese angebracht worden.

Der Bogen biegt sich auch im Griffbereich, was bei dieser Länge (ohne Backing) notwendig ist, um eine ausreichende Ausziehlänge als auch Leistung zu erreichen.

Der Querschnitt des Bogen ist sehr flach, dies sichert eine gleichmäßige Kräfteverteilung.


Seneca Recurvebogen - Nachbau, s. Abbildung
Material

Länge

Ausziehgewicht

sonst. Daten und Besonderheiten

Hickory Splintholz

129 cm

22 kg (ca. 49 Ibs) bei 63,5 cm (25 Inch) Auszug

Der abgebildete Bogen/Nachbau ist von seinen Abmessungen Länge, Breite, Dicke sehr identisch mit dem Original.

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Nordöstliches Waldlandgebiet (Ostküste der USA)

Der Seneca Flachbogen - historisches Original

Informationen zum historischen Original (Vorbild für den Nachbau)

Fundort

Stamm

Fundjahr

Bogentyp

Material

Länge

unbekannt

Seneca (Mitglied der Irokesenkonföderation), indianischer Eigenname „Onodowohgah“

unbekannt (vermutlich 17. Jahrhundert)

Flachbogen

Hickory

137,2 cm (54 Inch)

sonst. Daten und Besonderheiten
Der Senecakrieger der diesen Bogen baute legte Wert auf Ästhetik. Dieser Bogen ist neben seinem außergewöhnlichen Wellendesign auch sehr schön dekoriert. In die Wellenzacken sind Bohrungen eingebracht, an denen Bündel gespaltener Federn mit jeweils einem roten Lederband befestigt sind. Die Seite mit dem Wellendesign ist dunkelblau oder grün bemalt, die gerade Seite rot. Die Sehne des Bogens besteht aus zwei zusammen gedrehten Rohhautstreifen. Wobei Rohhaut nicht zu den guten Sehnenmaterialien gehört, sie dehnt  sich mit zunehmender Feuchtigkeitsaufnahme u.U. bis auf Bogenschaftlänge, wie im entspannten Zustand.

Der stilisierte Kopf der oberen Sehnennocke ist mit einem Gesicht und an der Spitze rot bemalt.

Der Set dieses Bogens ist weit geringer als der des Recurvebogens. Die Ursache hierfür besteht darin, dass die Wurfarme breiter und die Bogenlänge um 7 cm länger ist.

Auch dieser Bogen besitzt, wie der Recurve einen sehr flachen Querschnitt und biegt sich im Griffbereich.


Seneca Flachbogen - Nachbau, s. Abbildung
Material

Länge

Ausziehgewicht

sonst. Daten und Besonderheiten

Hickory Splintholz

139 cm

24,4 kg (ca. 54 Ibs) bei 68,6 cm (27 Inch) Auszug

Der abgebildete Bogen/Nachbau ist von seinen Abmessungen Länge, Breite, Dicke sehr identisch mit dem Original.

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Geschichtliches zum Senecabogen

Die Irokesen

Die Irokesen waren ein Völkerverbund aus zuerst 5 später 6 sprachverwandten Völkern noramerikanischer Ureinwohner. Diese Konföderation war und ist bekannt als die „Five-Nations“ später „Six Nations“.

Die Konföderation bestand aus den Nationen der Mohawk, Oneida, Cayuga, Onodowahgah (Seneca) und später der Tuscarora.

Zwischen 1350 und 1600 waren die Stämme der Irokesen untereinander verfeindet mit kriegerischen Auseinandersetzungen, die mit äußerster Grausamkeit geführt wurden, wofür die Irokesen immer bekannt und gefürchtet waren, als auch später von den algonkinsprechenden Stämmen gehasst wurden.

Im 16. Jahrhundert, vermutlich um 1570, wurden durch den Propheten Deganawidah und Häuptling Hiawaltha die Stämme vereint. Diese Liga besteht nunmehr seit über 400 Jahren und bewährt sich immer noch.

Die Vereinigung hatte zum Ziel, die grausamen Kriege und die überhandnehmenden Blutrachefeldzüge zu beseitigen. Dies tat sie durch ihre „Gesetze“ erfolgreich.

Innerhalb der Liga wurde die Blutrache beendet, in dem für einen Mord eine bestimmte Buße festgelegt wurde. Gab es Streit zwischen 2 Mitgliedsstämmen, den sie selbst nicht beilegen konnten, wurde der Rat eingeschaltet.

Ein Häuptlingsrat (Obersachems) übte die Regierungsgeschäfte aus. Die wichtigsten Entscheidungen, die alle Nationen betrafen, wurden von einer Art „Bundesrat“ entschieden. Frauen und Kriegsräte hatten beratende Funktion.

In diesem „Bundesrat“ saßen 50 Sachems, alle im Rang und in der Autorität ebenbürtig. Die Abstimmungen erfolgten stammweise.  Jeder Stamm besaß ein Vetorecht, für jeden Beschluss war Einstimmigkeit unerlässlich. Wurde einmal keine Einigung erreicht, hatten die Onandaga das Recht, für eine Einigung zu sorgen oder zwischen den Fraktionen zu vermitteln. Wenn dies keinen Erfolg brachte, konnten sie das Thema von der Tagesordnung streichen. Die Sachems der Konföderation waren auch die Sachems der eigenen Stämme bzw. Stammesräte. Diese Sachems wurden von den ältesten Clanfrauen der Stämme gewählt (nicht von Männern).

Neben dem „Bundesrat“ entstand später noch eine Art „Unterhaus“, in welches verdienstvolle Persönlichkeiten gewählt wurden, dies hatte beratende Funktion in Bezug auf den „Bundesrat“.

Die Gesellschaft war demokratisch organisiert, das Individuum genoss erstaunliche Freiheiten. Das Verwandtschaftssystem war matriliniar, die Lebensweise matrilokal.

Bei den Irokesen nahmen Frauen eine hohe Stellung ein. Die Felder, die Ernte, die Häuser gehörten ihnen. Die Abstammung bezog sich immer auf die Mutter. Ein Kind gehörte zur Sippe seiner Mutter. Wenn Männer heirateten, zogen sie zu ihrer Frau. Ging die Ehe auseinander, kehrte der Mann zu seiner Mutter zurück, die Kinder blieben bei ihrer Mutter.

Eine ältere Frau war das Haupt des Stammbaumes und somit der Großfamilie. Vom Haupt der Großfamilien (Älteste) wurde der Sachem (Häuptling) gewählt. Sie tat dies nach Rücksprache mit den Frauen der Großfamilie und deren Einverständnis. Mit der Wahl erhielt der Sachem ein Geweih überreicht. Wenn er versagte, wurde er dreimal verwarnt. Wenn dies nichts half, nahm die Älteste dem Sachem das Geweih ab und bat den Rat um die Absetzung, was selten verweigert wurde.

Die Konföderation, Führungs- und Gesellschaftsstruktur als auch ihre enorme kriegerische Bereitschaft, machten die Irokesen neben den Engländern und Franzosen zur stärksten militärischen Macht im Nordosten des nordamerikanischen Kontinents. Sie wurden von indianischen Stämmen als auch von den Weißen gefürchtet und ebenso gehasst. So erstaunlich demokratisch sie im Innern ihres Völkerbundes waren, um so extremer war ihre Machtanspruch nach Außen.

Die Irokesen waren ein solcher Machtfaktor, dass man durchaus annehmen darf: „Wäre der Hass der Irokesen gegen die Franzosen geringer gewesen als das Misstrauen gegenüber den Engländern, so wären die USA heute vermutlich französischsprachig“.

Ohne die Unterstützung der Irokesen hätten sich die Engländer kaum durchsetzen können.

Es wurde und wird angenommen, dass die „Verfassung“ der Irokesen- Konföderation Einfluss nahm auf die Verfassung der Vereinigten Staaten von Amerika. Dies ist jedoch nicht nachgewiesen.

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Südliches Waldlandgebiet (Süd-Osten der USA)

Der Choctawbogen - historisches Original

Informationen zum historischen Original (Vorbild für den Nachbau)

Fundort

Stamm

Fundjahr

Bogentyp

Material

Länge

unbekannt

Choctaw

unbekannt

Flachbogen

Osage Orange

142,9 cm

sonst. Daten und Besonderheiten
Bei dem Bogen handelt es sich um einen recht kurzen Flachbogen mit einer sehr auffälligen Bemalung. Diese besitzt eine außergewöhnliche Wirkung wenn man sie anschaut, sobald der Bogen etwas bewegt wird irritiert diese Bemalung. Evtl. war dies auch die Absicht des Bogenbauers. Es kann jedoch auch sein, dass er sie einfach als ästhetisch empfand.

Obwohl die Wurfarmenden relativ breit sind, verjüngt sich der Wurfarm leicht zu seinen Enden hin. Ich vermute, dass dies nichts mit einer gewollten Leistungssteigerung zu tun hat, eher empfand man dies damals als schön.

Die Sehnenkerben wurden auch auf dem Bogenrücken eingearbeitet, was sonst von Bogenbauern (auch indianischen) auf Grund der Kerbwirkung vermieden wird. Der Bogenbauer dieses Bogens muss großes Vertrauen in das Holz Osage Orange gehabt haben, wobei diese Holzart, wie z.B. Eibe mit zu den besten Bogenhölzern zählt.

Die Choctaw
Siedlungsgebiet der Choctaw waren die heutigen Bundesstaaten Mississippi und Alabama. Sie gehören zur Algonkin-Sprachfamilie, lebten in festen Dörfern und zu ihren Hauptnahrungsquellen gehörten Mais und Fisch.

Ihr erster Kontakt mit Weißen war 1540 durch einen Angriff des Konquistadors De Soto. Berichte De Sotos beschreiben die Wirkung der indianischen Bogen. Diese waren so kräftig, dass sie auch Rüstungsteile durchschlugen.


Choctawbogen - Nachbau, s. Abbildung
Material

Länge

Ausziehgewicht

sonst. Daten und Besonderheiten

Hickory Splintholz

142 cm

25,3 kg (ca. 56 Ibs) bei 66 cm (26 Inch) Auszug

Der abgebildete Bogen/Nachbau ist von seinen Abmessungen Länge, Breite, Dicke sehr identisch mit dem Original.

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Die Prärie- und Plainsindianer

Die mittleren riesigen Grasebenen Nordamerikas bilden das Heimatland dieser Völker.

Dieses Kulturareal umfasst baumloses Grasland von den Rocky Mountains im Westen, bis zum Mississippi River im Osten, von Zentralkanada im Norden, bis zum Rio Grande im heutigen Texas.

Dieses Gebiet wird in 2 Unterkategorien aufgeteilt: der Prärie im Osten und den Plains im Westen. Die gesamte Ebene wird als die Große Ebene (Great Plains) bezeichnet.

Zur Zeit als die ersten Europäer nach Nordamerika kamen, waren die Great Plains nur schwach besiedelt. Das einzige Transportmittel, das die Indianer zu dieser Zeit besaßen, waren Hunde. Aus diesem Grund wird die Epoche „vor dem Pferd“ auch als Dog days bezeichnet.

Das Leben spielte sich damals eher in den Randzonen der Großen Ebene ab. In Nachbarschaft zu den Völkern der Waldlandgebiete im Osten, der Wüstengebiete im Süden und den Rocky Mountains im Westen. Es handelte sich häufig um teilnomadisierende Völker mit festen Siedlungsgebieten, die im Sommer zu Fuß auf die Büffel- und Antilopenjagd gingen. Landanbau war in den Great Plains auf Grund des trockenen Klimas nicht möglich.

Dies änderte sich, als sich die Spanier nach Kriegen gegen südliche Indianerstämme zurückzogen und ihre Pferde zurück ließen. Diese verwilderten und breiteten sich sehr schnell über die gesamten Great Plains, mit für das Tier idealen Lebensbedingungen, aus. Spätestens im 17. Jahrhundert, frühstens im 18. Jahrhundert nutzten alle Stämme der Great Plains Pferde als Last- und Reittiere.

Es entwickelte sich einen äußerst mobile Reiter- und Büffelkultur, die in kürzester Zeit nomadisierend die gesamten Great Plains bevölkerte.

Diese neue Möglichkeit der Lebensgrundlage wurde nicht nur von den Völkern genutzt, die ihre Siedlungsgebiete an den Randzonen der Great Plains hatten, auch große Gruppen aus den Rocky Mountains, der Subarktis und den Waldgebieten zogen in die Plains. Zu ihnen gehörten heute sehr bekannte Völker, wie die Sioux (Dakota oder auch Lakota). Sie kamen aus den Waldlandgebieten und die Comanchen, welche aus den Rocky Mountains kamen.

Trotz aller kultureller Unterschiede dieser Völker hatten sie Gemeinsamkeiten. Die Stämme waren in Kriegergesellschaften gegliedert, mit äußerst effizienten Reiterkriegern, die im Kampf wahre Kunststücke mit und auf ihren Pferden ausführten. Das Pferd und seine Waffen, insbesondere der Bogen, waren diesen Kriegern heilig. Sie lebten, bis auf wenige Ausnahmen wie z.B. die Hidatsa und die Mandan in Tipis. Der Büffel war Hauptlebensgrundlage, von diesem Tier wurde alles verwertet.

Religiös war der Sonnentanz über die gesamte Great Plains verbreitet.

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Pfeil und Bogen der Prärie- und Plainsindianer

Zu den Zeiten der Dog Days waren die Bogen der Great Plains ebenso lang, wie die anderer Kulturregionen, vorwiegend handelte es sich um echte Langbogen.

Die vom Pferd ausgelöste kulturelle Revolution, die insbesondere auch die gesamte Jagd- und Kriegstaktik veränderte, stellte neue Anforderungen an die Waffen. Hier zeigt sich die Kreativität des Menschen unter den Anforderungen von sich veränderten Lebensgrundlagen. Dies gilt für alle Kulturregionen der Welt, auch für Europa.

Die Lanzen und Keulen wurden länger, die Schilde kleiner, der Bogen kürzer.

Pfeil und Bogen war die Hauptwaffe der Plainsindianer. Krieger, Pferd und Bogen waren eine unzertrennlich verwachsene Einheit, die es möglich machte, dass ein Krieger ohne Sattel und Steigbügel, welche die Indianer nicht oder nur bedingt kannten, sich an die Seite des Pferdes hing und mit dem Bogen unter oder über den Hals des Tieres schoss und dies mit hoher Treffsicherheit. Die Kerntaktik des Kampfes lag ähnlich den asiatischen Völkern, darin, bis auf kurze Distanzen von weniger als 30 m heran zu reiten, Pfeile im vollen Galopp abzuschießen und sich zurück zu ziehen. Der Krieger selbst bot so auch ein schlechtes Ziel für den Gegner. Bogenkämpfe fanden häufig sogar auf Distanzen von 3-5 m statt.

Der Weitblick der Häuptlinge, der ungeheure Mut der Krieger und insbesondere der Bogen als Einheit mit dem Pferd, war Grundlage, dass die Völker der Great Plains bis ca. in die Mitte des 19. Jahrhundert nicht wesentlich besiegt und nicht von ihrem Land vertrieben werden konnten.

Der Bogen in der Hand eines Kriegers war treffsicherer, als jeder Vorderlader in der Hand eines Weißen Mannes. Bevor der Vorderlader nachgeladen werden konnte, hatte ein Krieger 10 und mehr Pfeile verschossen.

Diese Situation änderte sich mit dem Auftauchen der Mehrlader von Colt.

Den Kriegern der Great Plains war das Handling des Bogens sehr wichtig, d.h. umso kürzer umso besser. Bei vorab beschriebenen Kampftaktiken, waren kurze Bogen sogar Voraussetzung. Je nach Region und der zur Verfügung stehenden Holzarten, fielen die Bogenlängen unterschiedlich aus.

Die Bogenschaftlänge variiert ca. zwischen 90 und 137 cm.

So kurze Bogen werden jedoch außerordentlich stark durch Zugkräfte im Bogenrücken und Druckkräfte im Bogenbauch belastet. Die Belastungen übersteigen häufig die Festigkeitsgrenzen der Hölzer, die in einer Region zu bekommen sind.

Aus diesem Grund haben sich die Indianer auch etwas einfallen lassen: Sie belegten ihre Bogenrücken mit feingefaserten Tiersehnen und verleimten diese mit Haut- oder Fischleim. Da Hautleim nicht feuchtigkeitsresistent ist und weich wird, wurde dieses Tiersehenbacking mit Schlangenhaut oder Rohhaut belegt bzw. wenn dies nicht der Fall war, zumindest regelmäßig gut eingefettet.

Etwa die Hälfte der bekannten und erhalten gebliebenen Bogen sind tiersehnenbelegt.

Durch die sehr hohen Belastungen, besitzen kurze Bogen einen sehr starken Set (Stringfellow, Deflex), die Fasern werden so stark überlastet, dass sich die Wurfarmee in Ausziehrichtung plastisch stark deformieren (wenn sie nicht brechen).

Aus diesem Grund bekamen diese Bogen einen Setback (zurückgesetzter Griffbereich) in dem die Wurfarme mit Biegeradius im Griffbereich durch Erhitzen nach vorne (in Schussrichtung) stark gebogen wurden. Die Wurfarmspitzen befanden sich nach dem Biegen oftmals zwischen 10 bis 20 cm vor dem Griff. Nach dem Tillern (bearbeiten des Biegedesigns der Wurfarme) standen die Wurfarmspitzen auf Grund des Sets nur noch wenige Zentimeter vor dem Griff, wenn überhaupt.

Bei kurzen Bogen entsteht beim Auszug ein großer Sehnenwinkel zwischen Sehne und Wurfarm. Die Sehne neigt von der Nocke abzurutschen. Aus diesem Grund wurden die Sehnenkerben so gestaltet, das ein Abrutschen nicht möglich war oder was noch besser ist, die Wurfarmenden erhielten durch erhitzen und biegen einen Recurve (nach vorne gebogenen Wurfarmenden), hierdurch reduzierte sich der Sehnenwinkel, die Sehne hält.

Ein weiterer Vorteil solcher Recurves ist auf Grund des reduzierten Sehnenwinkels kann der Bogen weiter ausgezogen werden, bevor ein Stacking ( hart werden des Bogens) eintritt. Der Bogen besitzt eine größere Vorspannung und längeren Auszug, was die Leistung des Bogens erhöht.

“Ein kurzer Reiterbogen ist schwieriger herzustellen und benötigt mehr Erfahrung als Flach- oder Langbogen“

Die wichtigsten Holzarten für Bogen waren in den Great Plains:
Osage Orange, Eibe, Hickory, - dies sind die geeignetsten Bogenhölzer mit höchster Zug- und Druckfestigkeit.

Weiterhin Esche, Ahorn, Robinie, Weißeiche, Schwarzer Walnuß, Rote Zeder, Traubenkirsche (Chokecherry), Schwarzer Wachholder um nur einige zu nennen.

Es wurden jedoch auch Compositbogen aus Horn, Geweih, Rippenknochen in Verbindung mit Holz und Tiersehen hergestellt.

Bogensehnen waren meist aus gefaserten und gespleisten Tiersehnen angefertigt, jedoch auch aus Pflanzenfasern, Rohhaut und Bast.

Oftmals wurde der kurze Reiterbogen nicht an den Krieger angepasst, der Krieger passte sich im Schiessstil und Handhabung an den Bogen an. Dies aus der physikalischen Gesetzmäßigkeit, dass ein kurzer Bogen sich je nach Bogenschaftlänge und Bauart oftmals nur zwischen 18 bis 25 Inch ausziehen lässt.

Trotz dieses Umstandes, an den sich europäische Bogenschützen nur schwer gewöhnen konnten, war die Trefferquote des Indianers überdurchschnittlich.

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Nördliche Plains (USA/Kanada)

Der Blackfoot Bogen - historisches Original

Informationen zum historischen Original (Vorbild für den Nachbau)

Sehnenbelegter Bogen, vermutlich aus Eibe, 102 cm (40 Inch) Bogenschaftlänge. Das Tiersehnenbacking wird durch das Schlangenhautbacking einer Striped Prairie Gartersnake (Strumpfbandnatter) geschützt. Die Wurfarme sind mit Quillarbeiten und Hermelinfransen verziert. Wurfarmenden und Griff wurden mit dem Bast eines Kirschbaumes umwickelt.

Blackfoot Bogen - Nachbau, s. Abbildung
Material

Länge

Ausziehgewicht


Hickory Kern- und Splintholz, Tiersehnenbacking, Klapperschlangenhautbacking, Rohhaut, gekordeltes Garn

103 cm (40,6 Inch)

23,5 kg (52 Ibs) bei 55,9 cm (22 Inch) Auszug

sonst. Daten und Besonderheiten
Die Nachbildung konnte nicht vollständig wie das Original ausgeführt werden, entsprechende Materialien waren am Markt nicht zu beschaffen.

Aus diesem Grund erhielt die Nachbildung wie das Original einen Tiersehnenbelag jedoch belegt mit der Haut einer Prärieklapperschlange. Die Wurfarme und der Griff erhielten Wicklungen aus gekordeltem Garn, die Wurfarmenden (Nocken) wurden mit Rohhaut überzogen

Auf Grund der kurzen Bogenlänge hatten diese Bogen oftmals nur Auszuglängen von ca. 20-25 Inch. Dem Indianer war es wichtiger, einen leicht handhabbaren Bogen zu führen. Der Bogen wurde nicht an die Körpergrösse des Menschen angepasst, der Krieger passte sich dem Bogen an.

Alle Reiterbogen der Plainsindianer besaßen nur kleine Standhöhen von manchmal nur 3-4 Inch. Die Federn der Pfeile lagen auf dem Griff bzw. Bogenschaft auf.

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Nördliche Plains (USA/Kanada)

Blackfoot- oder Crow-Bogen - historisches Original

Informationen zum historischen Original (Vorbild für den Nachbau)

Sehnenbelegter Bogen aus Chokecherry, 116 cm (45 5/8 Inch) Bogenschaftlänge.
Der Bogenbauch war komplett rot, der Bogenrücken mit roten Punkten bemalt, die roten Punkte wurden direkt auf das Tiersehnenbacking aufgemalt (kein weiteres Hautbacking). In der Mitte der Wurfarme wurden perlenbestickte Applikationen angebracht. Der Griff wurde mit rotem Flanell, an den Enden mit grünem Flanell gestaltet und mit einem Hirschlederiemen spiralförmig umwickelt.
Die Wurfarmenden erhielten vermutlich eine Bastumwicklung.

Blackfoot- oder Crow-Bogen - Nachbau, s. Abbildung
Material

Länge

Ausziehgewicht


Ulmenkernholz, Tiersehnenbacking mit Rohhaut belegt, gefärbtes Hirschleder und gekordeltes Garn

123 cm (48,4 Inch)


19,9 kg (42 Ibs) bei 63,5 cm (25 Inch) Auszug


sonst. Daten und Besonderheiten
Um die schöne Holzmaserung des Bogenbauches nicht zu überdecken, wurden nur die Seiten rot bemalt. Das Tiersehenbacking erhielt als Feuchtigkeitsschutz ein Rohhautbacking, der dann mit roten Punkten bemalt wurde.

Der Griff ist aus rot und grün gefärbtem Hirschleder gestaltet und mit einem Rohhautriemen umwickelt.

Die Wurfarmenden wurden ebenfalls mit einem Rohhautriemen umwickelt.

Auf Grund der kurzen Bogenlänge hatten diese Bogen oftmals nur Auszuglängen von ca. 20-25 Inch. Dem Indianer war es wichtiger, einen leicht handhabbaren Bogen zu führen. Der Bogen wurde nicht an die Körpergrösse des Menschen angepasst, der Krieger passte sich dem Bogen an.

Alle Reiterbogen der Plainsindianer besaßen nur kleine Standhöhen von manchmal nur 3-4 Inch. Die Federn der Pfeile lagen auf dem Griff bzw. Bogenschaft auf.

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Plains (USA)

Cheyenne oder Sioux-Bogen - historisches Original

Informationen zum historischen Original (Vorbild für den Nachbau)

Diese Art der verschmälerten Wurfarmenden waren bei den Sioux (Lakota, Dakota) sowie bei den Cheyenne gebräuchlich.

Einfacher schlichter und sehnenbelegter Bogen ohne zusätzliche Hautbacking. Griff- und Nockenbereich verschmälert. Griff vermutlich mit Lederiemen spiralförmig umwickelt. Nockenbereich vermutlich mit Rohhaut oder Bast umwickelt. Die Verarbeitung des Bogens erscheint etwas grob.

Der Bogen wurde aus Hickory mit einer Bogenschaftlänge von ca. 114 cm (45 Inch) angefertigt. Der Bogenbauch rot bemalt.


Cheyenne oder Sioux-Bogen - Nachbau, s. Abbildung
Material

Länge

Ausziehgewicht


Hickory Splintholz ohne Backing, Rohleder

110 cm (43,3 Inch)

21,7 kg (48 Ibs) bei 53,3 cm (20 Inch) Auszug
sonst. Daten und Besonderheiten
Die Nachbildung ist aus Hickory Splintholz ohne sonstige Backings angefertigt. Griff und Wurfarmenden mit Rohhautriemen umwickelt. Der Bogenbauch wurde nicht bemalt

Auf Grund der kurzen Bogenlänge hatten diese Bogen oftmals nur Auszuglängen von ca. 20-25 Inch. Dem Indianer war es wichtiger, einen leicht handhabbaren Bogen zu führen. Der Bogen wurde nicht an die Körpergrösse des Menschen angepasst, der Krieger passte sich dem Bogen an.

Alle Reiterbogen der Plainsindianer besaßen nur kleine Standhöhen von manchmal nur 3-4 Inch. Die Federn der Pfeile lagen auf dem Griff bzw. Bogenschaft auf.

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Südliche
Plains (USA)

Comanche Bogen
- historisches Original

Informationen zum historischen Original (Vorbild für den Nachbau)

Bogen mit durchgehend sehr flachem Querschnitt aus Osage Orange ohne Backings. Bogenschaftlänge 129,5 cm (51 Inch). Sehr aufwändig bemalter Bogenbauch mit blauem und rotem Muster. Die Dreiecke wurden aus dem Holz herausgestichelt und sind somit vertieft, eine aufwendige Arbeit, die jedoch mit einfachen Werkzeugen die Möglichkeit bereitete, scharfkantige Linien und Ecken farbig zu gestalten. Die obere Wurfarmnocke ist mit Skalphaaren dekoriert.

Comanche Bogen - Nachbau, s. Abbildung
Material

Länge

Ausziehgewicht


Hickory Splintholz 

127 cm (50 Inch)

24,9 kg (55 Ibs) bei 66 cm (26 Inch) Auszug
sonst. Daten und Besonderheiten
Einige Details, insbesondere an den Übergängen der geometrischen Motive der Bemalung sind auf der Abbildung des Originals nicht deutlich ersichtlich. Aus diesem Grund mussten hier eigene Lösungen gefunden werden, ansonsten ist die Bemalung vergleichbar mit dem Original.

Die Dreiecke wurden nur aufgemalt und nicht aus dem Holz herausgearbeitet. trotz dieser kleinen Veränderungen ist das Gesamtbild des Bogens mit dem Original sehr identisch.

Auf Grund der kurzen Bogenlänge hatten diese Bogen oftmals nur Auszuglängen von ca. 20-25 Inch. Dem Indianer war es wichtiger, einen leicht handhabbaren Bogen zu führen. Der Bogen wurde nicht an die Körpergrösse des Menschen angepasst, der Krieger passte sich dem Bogen an.

Alle Reiterbogen der Plainsindianer besaßen nur kleine Standhöhen von manchmal nur 3-4 Inch. Die Federn der Pfeile lagen auf dem Griff bzw. Bogenschaft auf.

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Westküste
(USA/Kalifornien)

Pit River-/ Achumawi-Bogen
- historisches Original

Informationen zum historischen Original (Vorbild für den Nachbau)

Sehnenbelegter Eibenbogen mit einer Bogenschaftlänge von 110,9 cm (43 ½ Inch). Bogenrücken direkt auf das Sehnenbacking mit einem Muster, wie es das ausgestellte Exponat zeigt, rot bemalt.

Wurfarmenden mit Rohhaut überzogen und vermutlich mit Garn oder Sehnenschnur rot umwickelt. Griff mit roter Schnur umwickelt.


Pit River-/ Achumawi-Bogen - Nachbau, s. Abbildung
Material

Länge

Ausziehgewicht


Hickory Splintholz, Rohhaut, Garn gekordelt

110 cm (43,3 Inch)

19,9 kg (44 Ibs) bei 61 cm (24 Inch) Auszug
sonst. Daten und Besonderheiten
Die Nachbildung ist abweichend zum Original nur mit einem Rohhautbacking auf dem Tiersehnenbacking versehen, weiterhin wurde aus dekorativen Gründen die Farbe grün in das Design eingefügt.

Bei diesem Bogen handelt es sich um einen typischen Westküstenbogen mit sehr kurzen Bogenschaftlänge, jedoch sehr breiten propellerförmigen Wurfarmen. Einige Bogen hatten Wurfarmbreiten bis zu 5 und mehr cm.

Achumawiindianer
(Pit River Indianer)

Das Siedlungsgebiet der Achumawiindianer lag im Nordosten Kaliforniens. Es handelt sich um ein teilnomadisiertes Volk deren Dörfer nur im Winter bewohnt wurden. Ihre Lebensweise entsprach Sammlern und Jägern. Ihre Nahrungsmittel waren Wildfleisch, Fisch, Achumawi-Bucheckern, Pinienkerne, Wildkräuter, Beeren und insbesondere die essbare Prärielilie.


Indianische Weisheiten

Präambel zu den Indianertexten
In den nachfolgenden Texten der nordamerikanischen Indianer werden Facetten wie Krieg, Rache und sonstiges des alltäglichen Lebens kaum erwähnt. Aus diesem Grund könnte ein idealisertes Bild entstehen, was wir mit diesem Präambel vermeiden möchten. Doch der Inhalt dieser Texte ist noch immer ein Spiegelbild, insbesondere unserer heutigen Zeit, so dass er in seiner einfachen Sprache und Tiefe uns zum Nachdenken bewegt.
Wenn man sich intensiv mit Geschichte befasst, auch der europäischen, wird man wie bei den nachfolgenden Texten festellen, wir haben uns nicht verändert, nur die Methoden sind defizieler und effizienter geworden. Die Redewendung "es wiederholt sich alles" trifft zu, bzw. wir lernen nicht, sondern entwickeln unsere negativen Seiten mit der Überzeugung "macht Euch die Erde Untertan" weiter.

Quelle der nachfolgenden indianischen Weisheiten: Weisheiten der Indianer - Vom Leben im Einklang mit der Natur, Indianertexte der Gegenwart

Bevor unsere weißen Brüder kamen, um zivilisierte Menschen aus uns zu machen, hatten wir keine Gefängnisse. Aus diesem Grund hatten wir auch keine Verbrecher. Ohne ein Gefängnis kann es keine Verbrecher geben. Wir hatten weder Schlösser noch Schlüssel, und deshalb gab es bei uns keine Diebe. Wenn jemand so arm war, daß er kein Pferd besaß, kein Zelt oder keine Decke, so bekam er all dies geschenkt. Wir waren viel zu unzivilisiert, um großen Wert auf persönlichen Besitz zu legen. Wir strebten Besitz nur an, um ihn weitergeben zu können.  Wir kannten kein Geld und daher wurde der Wert eines Menschen nicht nach seinem Reichtum bemessen. Wir hatten keine schriftlich niedergelegten Gesetze, keine Rechtsanwälte und Politiker, daher konnten wir einander nicht betrügen. Es stand wirklich schlecht um uns, bevor die Weißen kamen, und ich kann nicht erklären, wie wir ohne die grundlegenden Dinge auskommen konnten, die - wie man uns sagt - für eine zivilisierte Gesellschaft so notwendig sind.
Lama Deer (Dakota)
       

Wenn wir der Erde etwas wegnehmen, müssen wir ihr auch etwas zurückgeben. Wir und die Erde sollten gleichberechtigte Partner sein. Was wir der Erde zurückgeben, kann etwas so Einfaches - und zugleich so Schwieriges - wie Respekt sein.
Die Suche nach Öl, Kohle und Uran hat der Erde bereits großen Schaden zugefügt, aber noch kann dieser Schaden wieder gut gemacht werden - wenn wir es wollen. Beim Abbau von Bodenschätzen werden Pflanzen vernichtet. Es wäre recht und billig, der Erde Samen und Schößlinge anzubieten und dadurch wieder zu ersetzen, was wir zerstört haben. Eines müssen wir lernen: Wir können nicht immer nur nehmen, ohne selbst etwas zu geben. Und wir müssen unserer Mutter, der Erde, immer so viel geben, wie wir ihr weggenommen haben.
Jimmie C. Begay (Navajo)
       

Lasst uns alle hier niedersitzen in der freien Prärie, wo wir keine Straße und keinen Zaun sehen. Setzen wir uns nicht auf eine Decke, unsere Körper sollen den Boden spüren, die Erde, den Widerstand der Stauden, die sich unserer Berührung anpassen. Das Gras soll unsere Matratze sein, damit wir seine Schärfe spüren und seine Weichheit. Lasst uns wie die Sterne sein, wie Pflanzen und Bäume. Laßt uns Tiere sein, laßt uns denken und fühlen wie sie.
Horch auf die Luft! Du kannst sie hören, sie spüren, sie riechen und schmecken. Woniya wakan, die heilige Luft, die alles mit ihrem Atem erneuert. Woniya, woniya wakan: Geist, Leben, Atem, Neuwerdung - das Wort bedeutet all dies. Woniya - wir sitzen nebeneinander, wir berühren uns nicht, aber es ist etwas da; wir fühlen, daß etwas in unserer Mitte gegenwärtig ist. Das ist ein guter Anfang, um über die Natur nachzudenken und über sie zu reden. Aber reden wir nicht nur über sie - reden wir mit ihr, sprechen wir mit den Flüssen, den Seen und den Winden wie mit unseren Verwandten.
Lame Deer (Dakota)
       

Weisst du, daß Bäume reden? Ja, sie reden. Sie sprechen miteinander, und sie sprechen zu dir, wenn du zuhörst. Aber die weißen Menschen hören nicht zu. Sie haben es nie der Mühe wert gefunden, uns Indianer anzuhören, und ich fürchte sie werden auch auf die anderen Stimmen in der Natur nicht hören. Ich selbst habe viel von den Bäumen erfahren: manchmal etwas über das Wetter, manchmal über Tiere, manchmal über den Großen Geist.
Tatange Mani (Stoney)
       

Im Leben eines Indianers gab es eine Pflicht, auf deren Erfüllung er nie vergaß - die Pflicht, jeden Tag in Gebet das Ewige und Unsichtbare zu ehren. Wann immer er auf seiner täglichen Jagd auf ein Bild ehrfurchterbietender Schönheit stößt - eine Regenbogenbrücke vor einer schwarzen Gewitterwolke über den Bergen; einen weißschäumenden Wasserfall im Herzen einer grünen Schlucht; eine weite Prärie, vom Sonnenuntergang blutrot angestrahlt -, verharrt der rote Jäger einen Augenblick in anbetender Haltung.
Alles, was er tut, hat für ihn eine religiöse Bedeutung. Er spürt den Geist des Schöpfers in der ganzen Natur und glaubt, daß er daraus seine innere Kraft erhält. Er achtet auf das Unsterbliche im Tier, seinen Bruder, und diese Erfurcht führt ihn oft so weit, daß er den Kopf eines erlegten Tieres mit symbolischer Farbe oder mit Federn schmückt. Dann hält er die gefüllte Pfeife hoch - als Zeichen, daß er auf ehrenhafte Weise den Geist seines Bruders befreit hat, dessen Körper zu töten er gezwungen war, um selber weiterzuleben.
Ohiyesa (Santee-Dakota)
       

Ich liebe es, die langohrigen Maultierhirsche zu betrachten, wenn sie sich auf einem hohen Hügelkamm gegen den Himmel abzeichnen. Alles Lebewesen sind meine Verwandten - selbst ein winziger Käfer!
Lama Deer (Dakota)
       

Wir müssen füreinander Sorge tragen und füreinander da sein. Deshalb fragen wir uns bei jeder Entscheidung, die wir treffen, welche Folgen sie für spätere Zeit hat und ob sie den kommenden Generationen nützt oder schadet. Wir arbeiten mühevoll auf unseren Feldern, von deren Früchten  wir leben; genauso müssen wir jede Mühe auf uns nehmen für die Menschen zu sorgen, die um uns sind  - denn auch von ihnen leben wir.
Carol Cornelius (Mohawk (Irokesen))
       

Die letzten Jahre war ich für den Sonnentanz verantwortlich und leitete die Zeremonie, aber diesmal habe ich die Aufgabe einem jüngeren Medizinmann übertragen, dessen Lehrer ich war. Vielleicht ist das mein Opfer, das ich heute bringe - ich verzichte auf meine Macht, gebe sie weiter, überlasse die Ehre jemand anderem. Bei uns Sioux gibt es keine Kluft zwischen den Generationen, wie man sie bei euch findet. Wir halten es für richtig, unsere jungen Leute so zu leiten, daß sie unseren Platz einnehmen können; das ist der Weg, den die Natur uns zeigt. Vielleicht ist diese Bereitschaft, mit den Jungen unsere Macht zu teilen, der Grund dafür, daß bei uns Alte geliebt und geachtet werden und daß den Generationen das Gespräch miteinander leichtfällt.
Lama Deer (Dakota)
       

Die alten Dakota waren weise. Sie wußten, daß das Herz eines Menschen, der sich der Natur entfremdet, hart wird; sie wußten, daß mangelnde Ehrfurcht vor allem Lebendigen und allem, was da wächst, bald auch die Ehrfurcht vor dem Menschen absterben läßt. Deshalb war der Einfluß der Natur, die den jungen Menschen feinfühlig machte, ein wichtiger Bestandteil ihrer Erziehung.
Luther Standing Bear (Dakota)
       

Dieser Tag ist vorüber

Wenn der Tag vorüber ist,
denke ich an alles, was ich getan habe.
Habe ich den Tag vergeudet,
oder habe ich etwas erreicht?
Habe ich mir einen neuen Freund gemacht
oder einen Feind?
War ich wütend auf alle,
oder war ich freundlich?
Was ich auch heute getan habe,
es ist vorbei.
Während ich schlafe,
bringt die Welt einen neuen, strahlenden Tag hervor,
den ich gebrauchen kann
oder vergeuden,
oder was immer ich will.
Heute abend nehme ich mir vor:
ich werde gut sein,
ich werde freundlich sein,
ich werde etwas tun,
was wert ist, getan zu werden.
Calvin O. John

       

Im Stamm der Lakota war jeder gerne bereit, Kinder zu betreuen. Ein Kind gehörte nicht nur einer bestimmten Familie an, sondern der großen Gemeinschaft der Sippe; sobald es gehen konnte, war es im ganzen Lager daheim, denn jeder fühlte sich als sein Verwandter. Meine Mutter erzählte mir, daß ich als Kind oft von Zelt zu Zelt getragen wurde und sie mich an manchen Tagen nur hie und da zu Gesicht bekam. Niemals sprachen meine Eltern oder Verwandten ein unfreundliches Wort zu mir, und niemals schalten sie mich, wenn ich etwas falsch gemacht hatte. Ein Kind zu schlagen, war für einen Lakota eine unvorstellbare Grausamkeit.
Luther Standing Bear (Dakota)

       

Die Menschen meines Volkes waren weise. Sie vernachlässigten ihre Kinder nicht. Unsere Lehrer - Großväter, Väter, Onkel - waren sorgfältig und geduldig. Sie versäumten es nie, eine gute Leistung zu loben, vermieden es aber, dabei ein Wort zu sagen, das einen anderen Jungen entmutigt hätten, der nicht so schnell lernte. Wenn ein Junge versagte und eine Aufgabe nicht bewältigte, nahmen sie sich seiner mit doppelter Mühe an, bis er seine Fähigkeiten entfaltet hatte und so weit war, wie es seinen Anlagen entsprach.
Plenty Coups ( Crow)
       

Friede ist nicht nur das Gegenteil von Krieg, nicht nur der Zeitraum zwischen zwei Kriegen - Frieden ist mehr. Friede ist das Gesetz menschlichen Lebens. Friede ist dann, wenn wir recht handeln und wenn zwischen jedem einezelnen Menschen und jedem Volk Gerechtigkeit herrscht.
Spruch der Mohawk (Irokesen)
       

Für euch Weiße waren wir Wilde. Ihr habt unsere Gebete nicht verstanden. Ihr habt nicht einmal versucht, sie zu verstehen. Wenn wir der Sonne, dem Mond oder dem Wind unsere Loblieder sangen, beteten wir in euren Augen Götzen an. Ohne uns zu verstehen und nur, weil unsere Art der Anbetung anders war als eure, habt ihr uns als verlorene Seelen verdammt.
Wir sahen das Werk des Großen Geistes in seiner ganzen Schöpfung: in Sonne, Mond, Bäumen, Bergen und Wind. Manchmal traten wir durch das, was er geschaffen hatte, an ihn heran. War das so schlecht? Ich weiß, daß wir aus ganzem Herzen an das höchste Wesen glauben, und unser Glaube ist vielleicht stärker als der vieler Weißer, die uns Heiden nannten. Die roten Wilden waren immer enger mit der Natur verbunden als die weißen Wilden. Die Natur ist das Buch jener großen Kraft, die ihr Gott nennt und die wir Großer Geist nennen. Was für einen Unterschied macht schon ein Name aus!
Tatange Mani (Stoney)
       

Hügel sind immer schöner als Häuser aus Stein. In einer großen Stadt wird das Leben zu einem künstlichen Dasein. Viele Menschen spüren kaum noch richtige Erde unter ihren Füßen, sie sehen kaum noch Pflanzen wachsen, außer in Blumentöpfen, und lassen nur selten die Lichter der Straßen hinter sich um den Zauber eines sternenübersäten Nachthimmels auf sich wirken zu lassen. Wenn Menschen so weit weg von all dem leben, was der Große Geist geschaffen hat, dann vergessen sie leicht seine Gesetze.
Tatange Mani (Stoney)

       

Als ich ein Kind war, verstand ich zu geben und zu teilen; seit ich zivilisiert wurde, habe ich diese Tugenden verlernt. Ich lebte ein natürliches Leben, jetzt lebe ich ein künstliches. Damals war jeder hübsche Kieselstein für mich kostbar, und ich hatte Ehrfurcht vor jedem Baum.
Der Ureinwohner Amerikas verband seinen Stolz mit einer außergewöhnlichen Demut. Überheblichkeit war seinem Wesen und seiner Lehre fremd. Er erhob niemals den Anspruch, daß die Fähigkeit, sich durch Sprachen auszudrücken, ein Beweis für die Überlegenheit des Menschen über die sprachlose Schöpfung sei; ganz im Gegenteil, er sah in dieser Gabe eine Gefahr. Er glaubt fest an das Schweigen - das Zeichen vollkommener Harmonie. Schweigen und Stille stellten für ihn das Gleichgewicht von Körper, Geist und Seele dar.
Wenn du den Indianer fragst: "Was ist die Stille?", wird er dir antworten: "Das Große Geheimnis." "Die heilige Stille ist Seine Stimme." Und wenn du fragst: "Was sind die Früchte der Stille?", so wird er sagen: "Selbstbeherrschung, wahrer Mut und Ausdauer, Geduld, Würde und Ehrfurcht." "Hüte deine Zunge in der Jugend", sagte der alte Häuptling Wabashaw, " dann wirst Du vielleicht im Alter deinem Volk einen weisen Gedanken schenken."
Ohiyesa (Dakota)
       

Ich kenne keine Pflanzen-, Vogel- oder Tierart, die ausgerottet wurde, bevor der weiße Mann kam. Einige Jahre nachdem die Büffel verschwunden waren, gab es noch immer große Antilopenherden, aber die Jäger hatten kaum ihr Werk vollendet und die Büffel abgeschlachtet, als sie sich schon den Antilopen zuwandten. Heute gibt es Wild nur noch dort in größerer Zahl, wo es geschützt wird. Für den Weißen waren die heimischen Tiere ebenso wie die eingeborenen Menschen dieses Kontinents nur "Schädlinge", die vertilgt werden mußten.
Auch Pflanzen, die dem Indianer von Nutzen waren, wurden plötzlich zu "Schädlingen" erklärt. Im Wortschatz der Lakota gibt es keinen Ausdruck der der englischen Bedeutung dieses Wortes entspricht.
Was die Beziehung zur Natur betrifft, so gab es zwischen der Haltung des Indianers und der des Weißen einen großen Unterschied; aus diesem Unterschied heraus wurde der eine zum Schützer und Bewahrer der Natur, der andere zu ihrem Zerstörer. Der Indianer und die anderen Geschöpfe, die hier geboren wurden und lebten, hatten eine gemeinsame Mutter - die Erde. Deshalb war er verwandt mit allem, was lebt, und er gestand allen Geschöpfen die gleichen Rechte zu wie sich selbst. Was mit der Erde verbunden war, liebte und verehrte er.
Die Haltung des Weißen war anders: er verachtete die Erde und was sie hervorbrachte. Da er sich selbst für ein höheres Geschöpf hielt, nahmen die übrigen Geschöpfe in seiner Rangordnung eine niedrigere Stellungein. Aus diesem Glauben heraus handelte er. Er maßte sich an, über Wert und Unwert des Lebens zu bestimmen, und so ging er schonungslos an sein Zerstörungswerk. Wälder wurden abgeholzt, der Büffel wurde ausgerottet, der Biber umgebracht und seine bewundernswert gebauten Dämme gesprengt, sogar die Vögel der Luft wurden zum Schweigen gebracht. Riesige grasbewachsene Prärien, die die Luft mit süßem Duft erfüllten, wurden umgeackert; Quellen, Bäche und Seen, die ich in meiner Kindheit noch kannte, sind ausgetrocknet und verschwunden. Ein ganzes Volk wurde gedemütigt und dem Tod preisgegeben. So ist der weiße Mann für alle Wesen auf diesem Kontinent zum Sinnbild der Vernichtung geworden. Zwischen ihm und dem Tier gibt es keine Verständigung, und die Tiere haben gelernt zu fliehen, wenn er sich nähert, denn wo er lebt, ist kein Platz für sie.
Luther Standing Bear (Dakota)
       

Die Weißen haben niemals Achtung vor dem Land gehabt, und das Schicksal von Hirschen oder Bären ist ihnen gleichgültig. Wenn wir Indianer ein Tier töten, essen wir alles auf. Wenn wir Wurzeln ausgraben, machen wir kleine Löcher. Wenn wir Häuser bauen, graben wir kleine Löcher. Wenn wir wegen der Heuschrecken Gras abbrennen, zerstören wir dabei nichts. Wir schütteln die Eicheln und Nüsse von den Bäumen. Wir schneiden die Bäume nicht um. Wir verwenden nur totes, dürres Holz. Aber die weißen Menschen flügen die Erde auf, fällen die Bäume, vernichten alles. Der Baum sagt: "Tu es nicht! Du fügst mir Schmerzen zu. Verletz mich nicht!". Aber sie fällen und zerschneiden ihn. Der Geist des Landes haßt sie. Sie sprengen Bäume mitsamt ihren Wurzeln und verwunden die Erde. Sie sägen die Bäume in Stücke. Sie tun ihnen Leid an. Wir Indianer verletzten nichts und niemanden, aber die Weißen zerstören alles. Sie sprengen die Felsen und verstreuen sie weit über die Erde. Der Fels sagt: "Du es nicht! Du fügst mir Schmerzen zu." Aber die Weißen kümmern sich nicht darum. Wie kann der Geist der Erde die Weißen lieben? Überall, wo der weiße Mann die Erde berührt hat, ist sie krank.
Wintu-Indianerin
       

Ihr weißen Menschen verlangt von uns, daß wir die Erde pflügen, daß wir Gras schneiden und daraus Heu machen und es verkaufen, damit wir reich werden. Ihr weißen Menschen kennt nur die Arbeit. Ich will nicht, daß meine jungen Männer euch gleich werden. Menschen, die immer nur arbeiten, haben keine Zeit zum Träumen, und nur wer Zeit zum Träumen hat, findet Weisheit.
Smohalla (Nez Percé)
       

Bruder, du sagst, es gibt nur einen Weg, den Großen Geist zu verehren und ihm zu dienen. Wir verstehen dich nicht, Bruder. Uns wurde gesagt, daß deine Religion euren Vorfahren geschenkt und seit damals vom Vater auf den Sohn weitergegeben wurde. Auch wir haben eine Religion, die unseren Väter geschenkt und an uns, die Kinder, weitergegeben wurde. Wir verehren den Großen Geist auf diese Weise. Unsere Religion lehrt uns, für alle Gaben die wir erhalten, dankbar zu sein; sie lehrt uns, einig zu sein und einander zu lieben. Wir streiten niemals über religiöse Fragen, denn Religion ist etwas, das den einzelnen angeht und den Großen Geist - sonst niemanden.
Bruder, wir wollen die deine Religion nicht wegnehmen oder sie gar vernichten; wir wollen nur unsere eigene behalten und uns an ihr freuen.
Red Jacket  (Seneca)
       

Der Eingang eines Tipis zeigt immer nach Osten. Wenn der Indianer am Morgen hinaustritt, um die Sonne zu begrüßen, die im Osten emporsteigt, wendet er sein Gesicht dem neuen Tag zu und macht vier Schritte. Jeder der Schritte ist von einem Wunsch begleitet, einem Wunsch für jeden Schritt und für jede der vier Jahreszeiten, die vor uns liegen. Dann schaut der Indianer nach Westen; er nimmt den Pfad der Sonne vorweg, geht ihr voraus, bevor sie noch selbst den westlichen Horizont erreicht hat. Auf diese Weise drückt er aus, daß er nicht zurück kann; der Tag der gestern war, ist vergangenen. er blickt nach vorn.
Im Leben eines Indianers gibt es keine schlechten Tage. Auch wenn es noch so stürmisch ist - jeder Tag ist gut. Weil du am Leben bist, ist jeder Tag gut.
Henry Old Coyote (Crow)
       



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