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Infotext zum Thema Mittelalter

Der Englische Langbogen - historisches Original

Informationen zum historischen Original

Fundort Solent; Meerenge und Seitenarm des Ärmelkanals zwischen der Südküste Englands, Southhampton und der Isle of Wight. 1982 wurde im Solent das englische Kriegsschiff Heinrichs VIII die „Mary Rose“, das 1545 sank, geborgen. Es handelt sich um das erste kanonenbestückte englische Kriegsschiff. Es war mit 91 Kanonen auf 4 Decks bestückt. Eines der Aufsehen erregenden Funde waren 137 Englische Langbogen die zur Bewaffnung des Schiffes gehörten.

Epoche Ende des Mittelalters

Bogentyp Langbogen

Material Eibe

Länge 187 - 211 cm

Ausziehgewicht 100 – 185 Ibs (39,4 – 72,83 kg)

sonst. Daten und Besonderheiten Wie der Wikingerbogen ist der Englische Langbogen eine typische Variante mittelalterlicher Langbogen. Aus heutiger Sichtweise jedoch prägte die englische Variante die Vorstellung des Langbogens. Dies nicht, weil er allen anderen Langbogen überlegen ist, sondern weil er über die Jahrhunderte hierzu gemacht wurde und bis heute als Sport- und Jagdwaffe erhalten blieb.(siehe hierzu „Mythos Langbogen“)

Englische Langbogen besitzen einen ausgeprägten D-Querschnitt, wobei der Bogenrücken (Vorderseite des Bogens) als flach bezeichnet werden kann, der Bogenbauch (Rückseite des Bogens) stark abgerundet ist.

Der Bogen wird als D-Profilbogen bezeichnet, weil er sich beim Aufspannen und Ausziehen über die gesamte Länge auch im Griffbereich D-förmig biegt.

Das Material Eibe, der D-Querschnitt, die Bogenlänge und die hohen Ausziehgewichte (Ausziehkräfte) machen einen Englischen Kriegslangbogen zu einer sehr effizienten als auch leistungsfähigen Waffe.

Auf Grund der hohen Ausziehgewichte wurden und werden die Wurfarmenden mit Hornnocken  versehen, dies verhindert, dass die Sehne ausgehend von der Sehnenkerbe, den Bogenschaft spaltet.


Englische Langbogen aus Eibe  - Nachbau, s. Abbildung
Material

Länge

Ausziehgewicht


sonst. Daten und Besonderheiten
Eibe und Hornnocken

174 cm (68,5 Inch)

25 kg (55 Ibs) bei 71 cm (28 Inch) Auszug




Mythos Englische Langbogen

Vorgeschichte des Englischen- und Wikinger-Langbogens

Ab dem Jahr 450 n. Chr. besiedelten die nordgermanischen Stämme der Angeln, Sachsen und Jüten England. Die Einwanderungen dieser germanischen Stämme erfolgte in mehreren Wellen, sie eroberten das Land und gründeten Kleinkönigreiche. Egbert von Wessex (802-839 n. Chr.) gewann die Oberhand, wobei Wales und Schottland unabhängig blieben.

Im gleichen Jahrhundert fielen Wikinger in England ein, konnten jedoch zurückgeschlagen werden. Ein weiterer großer Wikingeransturm erfolgte durch mehrere Dänenkönige im 11. Jahrhundert, sie beherrschten England 26 Jahre lang.

Mit Sicherheit kamen diese Einwanderer bzw. Eroberer nicht ohne ihre Bogen nach England. Zahlreiche Pfeilspitzenfunde auf den damaligen Schlachtfeldern beweisen einen umfangreichen Einsatz von Pfeil und Bogen.
Es existieren bedauerlicher Weise keine schriftlichen Dokumente ob und in wie weit der Bogen zu der vorab erwähnten Zeit schon als taktische Waffe eingesetzt wurde.



Wie sahen die Bogen der germanischen Einwanderer aus?

Am besten zeigen uns die Bogenfunde aus dem Nydam-Moor im heutigen Dänemark den Bogentyp der damaligen Epoche. Das Nydam-Moor ( damals See) gehörte zum Siedlungsgebiet der Angeln, Sachsen und Jüten (miteinander verwandte Stämme). Es handelt sich hierbei um 36 Bogenfunde: Langbogen mit 178 – 187 cm Bogenschaftlänge mit abgeflachtem D-Querschnitten und einer D-Profilbiegung (Tiller). Die Bogen besaßen am Ende eines Wurfarmes Geweihspitzen, ein Bogen eine Eisenspitze, jedoch nicht als Sehnennocke sondern vermutlich als Stichwaffe für den Kampf Mann-gegen-Mann.

Alle Indizien sprechen somit dafür, dass der Englische Langbogen sowie der Wikingerbogen eine Weiterentwicklung dieser germanischen Bogen darstellt.


Die schottischen Kriege (der Langbogen entwickelt sich zur taktischen Fernwaffe)

In der Schlacht von Dunbar 1296, das englische Heer wurde geführt von Edward I., das schottische Heer von Wallace und in der Schlacht von Bannock Burn 1314 auf englischer Seite König Edward I. auf schottischer Seite Robert de Bruce, waren viele Bogenschützen beteiligt. Die Berichte zu diesen Schlachten machen deutlich, dass hier schon zumindest ein teiltaktischer Einsatz der Bogenschützen erfolgte. Die Bogenschützen wurden noch nicht schlachtentscheidend eingesetzt, waren jedoch ein fester Bestandteil der Gesamtstrategie und konnten eine Entscheidung einleiten oder eine Niederlage verhindern.

Die Schlacht von Dunbar gewannen die Engländer unter schweren Verlusten auch auf Seiten der Bogenschützen. In der Schlacht von Bannock Burn wurden die Engländer geschlagen, die Bogenschützen wurden teilweise aufgerieben.

Die Engländer zogen ihre Lehren. Es wurden Taktiken entwickelt, in denen die Bogenschützen schlachtentscheidend eingesetzt werden konnten.

In der Schlacht bei Dupplin Muir 1332 kämpften auf englischer Seite 500 Ritter und 1500 Bogenschützen gegen 10.000 Schotten. Das schottische Heer wurde vernichtet, auf englischer Seite fielen „nur“ 33 Ritter und kein Bogenschütze. Die Schotten wurden bei dieser Schlacht von den englischen Bogenschützen ins Kreuzfeuer genommen, die von den Rittern geschützt wurden.

Bei einer Schlacht in der Nähe von Berwick kämpften die Engländer gegen eine große Streitmacht der Schotten. Kaum ein Schotte bekam Waffenkontakt mit den englischen Rittern, sie wurden vorher von den Bogenschützen unter Beschuss genommen. Eine Mehrheit der Schotten fiel, auf englischer Seite starben „nur“ 1 Ritter, 1 Edelmann und einige Männer vom Fußvolk.

Dies war die Geburtsstunde des Englischen Langbogens als taktisch eingesetzte Fernwaffe und als Mythos. Seine Geschichte lässt sich in dieser Form weitererzählen.


Zwei Schlachten des  hundertjährigen Krieges gegen Frankreich

Am 26. August 1346 in der Schlacht von Crecy kämpften auf englischer Seite 13.000 Bewaffnete, fast die Hälfte hiervon waren Bogenschützen. Auf französischer Seite standen 36.000-40.000 Mann.
Auf englischer Seite fielen 100 Mann, auf französischer Seite 1500 Ritter und 10.000 Mann Fußvolk.

In der Schlacht von Angincourt 1415 kämpften 9000 Engländer, hiervon 6000 Bogenschützen, gegen ca. 40.000 Franzosen, Auf englischer Seite fielen 300 Mann, auf französischer 1500 Ritter und 9000 Mann Fußvolk.

1595 wurden die letzten 100 Langbogen in Herfordshire durch Musketen ersetzt. Die Zeit und auch die Wirtschaftlichkeit sprachen gegen den Langbogen, obwohl dieser in seiner Trefferquote und Wiederladegeschwindigkeit weit effizienter war als die Feuerwaffen. Noch im 18. und 19. Jahrhundert hatten die Feuerwaffen (Vorderlader) bei weitem nicht die Effizients des Langbogens erreicht.

Nachdem der Langbogen militärisch ausgemustert wurde, fand er in England im Adel große Beliebtheit als Sport- und Jagdwaffe. In allen anderen Nationen Europas gerieten Pfeil und Bogen, ausgenommen als Kinderspielzeug, in Vergessenheit, somit auch das Wissen des traditionellen Bogenbaus.

In England wurde das Wissen auch schriftlich weitergegeben und blieb erhalten. Mangels Wettbewerbern, in Form anderer Bogentypen, behauptete sich der Englische Langbogen somit auch als „Monopolist“, zumindest in der westlichen Hemisphäre. Bis ins 20. Jahrhundert hinein glaubte man in Europa und in den USA, dass der Englische Langbogen der effizienteste Bogentyp überhaupt sei und ließ auch keine Kritik an diesem zu.

Dieser Mythos hält sich in Europa bei vielen traditionellen Bogeninteressierten bis heute, obwohl der Langbogen nicht effizienter oder ineffizienter ist als viele andere Bogentypen der Weltgeschichte. Seine Stärke, und Grundlage für diesen Mythos, war der taktische Einsatz im Mittelalter und die über Jahrhunderte bestehende Begeisterung der Engländer für den Bogensport, die Bogenjagd und natürlich für „ihren“ Langbogen.

Diese „Marktführung des Englischen Langbogens und der englische Einfluss im Bogensport der westlichen Hemisphäre, und dies über Jahrhunderte, erklärt, dass alle Maßeinheiten im Bogensport und im Bogenbau als auch eine Vielzahl von Fachbegriffen, in englischer Sprache weltweit im Gebrauch sind.

Weshalb hat sich der Langbogen in Europa durchgesetzt?

Obwohl der Langbogen eher einen Stock als einem Bogen gleicht, war er über Jahrhunderte, der am weitesten verbreitete und am häufigsten eingesetzte Bogentyp Europas.

Das Wissen über andere Bogentypen war im Mittelalter durch die Kriege mit den Awaren, Sarazenen, Mongolen usw. durchaus vorhanden. Es existieren auch Bogenfunde von Fragmenten anderer Bogentypen, z.B. enthielt ein alamannisches Grab aus dem 7. Jahrhundert in Bad Canstatt Fragmente eines spätawarischen Compositbogens.

Folgende Vorteile waren der Grund, dass sich dieser Bogentyp durchsetzte:

1.Die Materialversorgung „Eibe“ war gesichert, entweder vor Ort oder durch Handel.

Als kurze Nebeninformation: Im mittelalterlichen England mussten zeitweise für jede Tonne eingeführte Ware, 4 Eibenbogenstäbe als Zollgebühr entrichtet werden.

2.Das einfache Design ermöglichte eine, im Vergleich zu anderen Bogentypen, kurze Herstellzeit und somit einen preisgünstigen Bogen.

3.Eine optimale Ausschöpfung der Naturressourcen, durch die schlanke Bauweise, in dem aus einem Baumstamm mehr Stäbe (Staves) entnommen werden konnten.

4.Die hohe Leistungseffizienz des Langbogens




Der Wikingerbogen - historisches Original

Informationen zum historischen Original

Fundort Deutschland: Haithabu (bei Schleswig),
Irland: Ballinderry

Epoche Mittelalter

Alter 900 – 1100 n.. Chr.

Bogentyp Langbogen

Material Eibe

Länge 185 - 191 cm

Querschnitt Bogenmitte Haithabu 4,0 x 3,3 cm, Ballinderry 3,8 x 2,9 cm

sonst. Daten und Besonderheiten Wikingerbogen sind eine Variante der im mittelalterlichen Europa weit verbreiteten Langbogen.

Sie unterscheiden sich hauptsächlich durch die nach hinten (zum Schützen) gebogenen Wurfarmenden, wobei diese außerhalb der Sehnenkerbe liegen und somit keinerlei funktionelle Bedeutung besitzen, außer, dass sie das Wurfarmgewicht erhöhen. Bei Kriegsbogen mit Ausziehgewichten von 80-100 Ibs, spielt eine solch geringe Erhöhung des Massegewichts jedoch keine Rolle. Vermutlich haben diese Wurfarmenden eine ethnische Bedeutung , sie zeigen: "Wir sind Wikinger!". Unterstützt wird diese These dadurch: legt man den Bogen mit dem Bogenrücken (Vorderseite) auf einen Tisch besitzt die Bogenprofilform sehr viel Ähnlichkeit mit einem Wikingerschiff.

Die Wurfarme besitzen den für Langbogen typischen D-Querschnitt, wobei bei Wikingerbogen dieser eher mit einem abgeflachten D verglichen werden kann. Einige Bogenquerschnitte waren fast rechteckig mit stark abgerundeten Ecken.

Die Leistungseffizienz des Winkingerbogens ist durchaus mit der des Englischen Langbogens vergleichbar. Mit den richtigen Pfeilen und Pfeilspitzen können Kettenhemden und Brustpanzer durchschossen werden.

Ein weiteres Merkmal des Winkingerbogens ist, der obere Wurfarm besitzt nur eine Sehnenkerbe, der untere keine ausgeprägten Sehnenkerben. Die Sehne wird bzw. wurde am unteren Wurfarm fest verknotet.

Eibe ist empfindlich auf Spalt- bzw. Keilkräfte in Längsrichtung des Faserverlauf des Holzes. Aus diesem Grund wurde unterhalb der oberen Sehnenkerbe der Wurfarm umwickelt.

Der Nagel im oberen Wurfarm verhindert, dass die Sehne im entspannten Zustand am Wurfarm herunterrutscht.

Wikingerbogen aus Eibe - Nachbau, s. Abbildung
Material

Länge

Querschnitt Bogenmitte

Ausziehgewicht


sonst. Daten und Besonderheiten
Eibe

188 cm (74 Inch)

3,3 x 2,7 cm


25,3 kg (56 Ibs) bei 71 cm (28 Inch) Auszug  (die historischen Kriegsbogen besaßen Ausziehgewichte von ca. 80 – 100 Ibs und mehr)

Ein Wikinger hätte vermutlich aus einem solchen Stück Holz (Stave) keinen Bogen gebaut. Dies hat nichts mit der Holzqualität bzw. Leistungsfähigkeit des Bogens zu tun, sondern mit seinem welligen Wuchs und einer Vielzahl von Astknasten. Dies erhöht den Arbeitsaufwand zur Herstellung des Bogens um ein Vielfaches, ergibt jedoch einen sehr schönen Charakterbogen, ein deutlich ausgeprägtes Unikat.
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